Die Grafik verdichtet Wolfgang Wimhöfers Arbeitsbegriff „Urbane Reflexion & Produktion (UR&P)“ zu einem lesbaren Prozessbild. Sie ist nicht als starres Schema gedacht, sondern als Orientierung: Wie entstehen aus urbanen Ordnungen künstlerische Entscheidungen – und wie wird daraus Produktion, die über das einzelne Werk hinauswirkt?
UR&P wird als zirkulierende Bewegung gezeigt: Wahrnehmung → Eingriff → Bedeutungsverschiebung → Rückgabe. Der Prozess beginnt nicht „oben“ oder „links“, sondern kann an mehreren Stellen einsetzen (z. B. beim Motiv, beim Material, in einer sozialen Situation).
„UR“ steht für das genaue Hinsehen auf die Stadt: Zeichen, Infrastrukturen, Funktionen, Routinen, Regeln. Die Grafik benennt dies als „Wahrnehmung“ und „Systeme“. Gemeint ist ein reflektiertes Beobachten, das nicht bei Beschreibung stehen bleibt, sondern nach dem Wirkprinzip fragt: Was ordnet? Was begrenzt? Was ermöglicht?
„P“ bezeichnet den aktiven Teil: Material, Handlung, Umformung, sichtbares Resultat und gesellschaftliche Wirkung. Produktion meint dabei nicht nur die Herstellung eines Bildes, sondern auch die Erzeugung von Resonanz und Anschlussfähigkeit: Ein Motiv (z. B. Hydrant) kann vom Funktionsobjekt zum Bedeutungsträger werden; ein Prozess (z. B. PC-Upcycling) kann zu Teilhabe und Kompetenz führen.
Das „&“ markiert den Kern von UR&P: Übergänge werden nicht dem Zufall überlassen, sondern bewusst gesteuert. Hier findet das Aushandeln statt: Wie viel Ordnung bleibt sichtbar? Wo wird sie durchlässig? Wann wird Chaos produktiv, ohne zu eskalieren? In der Grafik wird diese Zone als „Regulation / Steuerung / Übergänge“ benannt.
Im Zentrum steht der Duktus – nicht als Stil, sondern als operativer Handlungsmodus. Er reguliert Wahrnehmung und Bedeutung, indem er Setzungen (Geometrie, Zeichen, Rahmungen) mit Bewegung (Gestik, Schichtung, Überlagerung) in Spannung hält. In Wimhöfers Malerei zeigt sich das besonders über Materialentscheidungen: pastoser und flüssiger Farbauftrag, transparente Leinwand sowie die Möglichkeit rückseitiger Beleuchtung. Dadurch kann Ordnung räumlich kippen: Setzungen verlieren Eindeutigkeit, Farbbewegungen gewinnen Tiefe; Ordnung wird nicht aufgehoben, sondern durchlässig, Chaos nicht entfesselt, sondern aktiviert.
ORDNUNG und CHAOS bilden die Pole des Spannungsfeldes. SETZUNG steht für das bewusste Festlegen (Form, Zeichen, Komposition, Regel). RAUM steht für die Öffnung der Fläche: Tiefe, Schichtung, Transparenz, Wahrnehmungswechsel. LICHT verweist auf die Aktivierung der Malerei über Sichtbedingungen: Es macht Übergänge sichtbar und stärkt die Prozesshaftigkeit der Wahrnehmung.