Talking Hydrants

Vom Hydrantennetz zum sozialen Netz der Erinnerung und weiter zum digitalen Netzwerk der Gegenwart.

Tag des offenen Denkmals 2026

NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur

Das historische Feuerhydrantennetz gehört seit der Eröffnung des Düsseldorfer Hafens im Jahr 1896 zu dessen technischer Infrastruktur. Dreizehn erhaltene Hydranten bilden heute einen virtuellen Denkmalpfad. Über QR-Codes führen sie zu Informationen über die Geschichte des Hafens, seine Infrastruktur und deren künstlerische Interpretation.

Der virtuelle Hydranten-Denkmalpfad

Der Rundgang beginnt am Hydranten 38 am Südende des Handelshafens und folgt dem historischen Feuerhydrantennetz bis zum Hydranten 76 am Ausstellungsraum „Atelier Rheinblick“ in der Weizenmühlenstraße 16. Die etwa zwei Kilometer lange Route lässt die ursprüngliche Funktion der Hafenhydranten unmittelbar erfahrbar werden.

Der Denkmalpfad kann an jeder der dreizehn Stationen begonnen werden. Die QR-Codes lassen sich direkt mit der Kamera eines Smartphones öffnen und machen die historischen Hydranten zu dezentralen Informationspunkten im Stadtraum.

Historischer Hydrant 38 am Startpunkt des Denkmalpfads im Düsseldorfer Hafen

Hydrant 38 – Startpunkt am Handelshafen

Plan der Route des Hydranten-Denkmalpfads im Düsseldorfer Hafen

Route durch das historische Hydrantennetz

Historischer Hydrant 76 am Endpunkt beim Ausstellungsraum „Atelier Rheinblick“ in der Weizenmühlenstraße 16

Hydrant 76 – Endpunkt am Ausstellungsraum „Atelier Rheinblick“

Historischer Hintergrund

Als Konsequenz aus dem Schlossbrand von 1872 wurde die Berufsfeuerwehr Düsseldorf gegründet und eine moderne Feuerlöschinfrastruktur aufgebaut. Mit der Eröffnung des Hafens im Jahr 1896 entstand ein beispielgebendes Netz von Feuerhydranten, das den sicheren Hafenbetrieb und die wirtschaftliche Entwicklung Düsseldorfs entscheidend mitprägte.

So verbindet der virtuelle Denkmalpfad unter dem Motto „NetzWERKE“ ein historisches Versorgungsnetz mit einem kulturellen Netzwerk aus Geschichte, Denkmalpflege, Kunst und digitaler Vermittlung.

Der virtuelle Hydranten-Denkmalpfad wird mit Unterstützung der Stadtsparkasse Düsseldorf realisiert.

Ausstellung

Am Endpunkt des Rundgangs lädt der Ausstellungsraum „Atelier Rheinblick“ in der Weizenmühlenstraße 16 von 13:00 bis 18:00 Uhr zur Dauerausstellung „Quelle, Erinnerung, Wandel – Hydranten als soziale Plastik“ ein. Historische Fotografien, Karten, Dokumente und Originalmaterialien erläutern die Entwicklung des Düsseldorfer Hafens und seines Hydrantennetzes sowie dessen Beitrag zur Geschichte und wirtschaftlichen Entwicklung Düsseldorfs.

Über die dezentrale Kunstplattform WIMART können Besucher die Inhalte des Denkmalpfads mit Texten, Bildern und Audios vertiefen und durch digitale Teilhabe und Interaktion selbst zum wachsenden Dokumentationsprojekt beitragen.

Bei kleinen Erfrischungen besteht Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit dem Künstler.

Weitere Informationen

Programm im Ausstellungsraum „Atelier Rheinblick“

Kurzführungen mit Wolfgang Wimhöfer

15:00 Uhr, 16:00 Uhr und 17:00 Uhr
Jeweils etwa 15 Minuten zur Geschichte des Düsseldorfer Hafens, seines historischen Feuerhydrantennetzes und zum Projekt „Pandoras Hydrant – Erinnerungen aus dem Düsseldorfer Hafen“.

Virtuelles Hafenspiel

15:00 bis 17:00 Uhr
Das kooperative Computerspiel „Mystery Hafen Düsseldorf“ kann je nach Fertigstellungsstand – erstmals ausprobiert werden.

Malen, entdecken und mitmachen

15:00 bis 17:00 Uhr
Für Kinder stehen kostenfreie Malmaterialien bereit. Spielerisch können sie den Düsseldorfer Hafen und seine historischen Hydranten entdecken.

Eine jeweilige Anmeldung ist nicht erforderlich.

Talking Hydrants Visualisierung

Projektidee

Talking Hydrants versteht Hydranten nicht nur als technische Elemente städtischer Infrastruktur, sondern als Träger von Spuren, Situationen und Erinnerungen. Ausgehend von Fotografien, künstlerischen Bearbeitungen und digitalen Verknüpfungen entsteht ein offenes Archiv, in dem urbane Objekte als lesbare Zeichen sichtbar werden.

Der Hydrant erscheint hier als Schwelle zwischen Funktion und Bedeutung, zwischen Stadtgeschichte und Gegenwart, zwischen realem Objekt und erzählbarer Form. So wird aus dem scheinbar stummen Alltagsgegenstand ein Ausgangspunkt für Wahrnehmung, Reflexion und künstlerische Transformation.

Was spricht hier?

Im Zentrum steht die Frage, was ein Hydrant erzählen würde, wenn er sprechen könnte. Gemeint ist damit keine wörtliche Stimme, sondern ein Geflecht aus Blicken, Bildern, Orten und Kontexten. Rost, Farbe, Standort, Gebrauchsspuren und fotografische Perspektive werden zu Elementen einer urbanen Erzählung.

Talking Hydrants öffnet damit einen Raum, in dem das Übersehene zum Gegenstand neuer Aufmerksamkeit wird. Das Sprechen entsteht durch künstlerische Setzung, durch Beteiligung und durch die Verbindung einzelner Fundstücke zu einem größeren Zusammenhang.

Soziale Plastik und UR&P

Das Projekt steht im Kontext des erweiterten Kunstbegriffs und der Idee der Sozialen Plastik nach Joseph Beuys. Kunst wird hier nicht nur als abgeschlossenes Werk verstanden, sondern als Prozess der Wahrnehmung, Kommunikation und gemeinschaftlichen Bedeutungsbildung.

Innerhalb von UR&P - Urbane Reflexion und Produktion wird der Stadtraum nicht bloß dokumentiert, sondern reflektiert, transformiert und produktiv weitergedacht. Hydranten werden so zu Knotenpunkten zwischen urbaner Geschichte, Bildproduktion, öffentlicher Erinnerung und digitaler Erweiterung.

Vom Objekt zum Netzwerk

Die auf Initiative von Wolfgang Wimhöfer seit 1997 denkmalgeschützten Hydranten im Düsseldorfer Hafen sind mehr als technische Relikte. Sie waren einst Teil eines Versorgungsnetzes, das Wasser, Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung in den Hafen brachte. Heute wirken sie als sichtbare Spuren einer verborgenen Infrastruktur der Stadt.

Mit der Übernahme der Patenschaft durch die Tischgemeinschaft „Stille Genießer“ des Heimatvereins Düsseldorfer Jonges verbindet sich das technische Netz der Hydranten mit einem sozialen Netz der Erinnerung. Die Tischgemeinschaft entstand 1946 in der unmittelbaren Nachkriegszeit, als gemeinsames Essen, Heimatpflege, Mundart und Begegnung zum Wiederaufbau des gesellschaftlichen Lebens beitrugen.

So werden die Hydranten zu Ankern urbaner Erinnerung. Sie erinnern nicht nur an die Geschichte des Hafens, sondern auch an die Menschen, die Verantwortung für diese Geschichte übernehmen. Aus dem einzelnen Objekt entsteht ein Netzwerk aus Orten, Erinnerungen, Beziehungen und Erzählungen.

Im Projekt Talking Hydrants wird dieses Netzwerk um eine digitale Ebene erweitert. Fotografien, Texte, Werkzusammenhänge und Dokumentationen werden über IPFS dezentral archiviert und miteinander verknüpft. Zwischen Hydrantennetz, sozialem Netz und digitalem Netz entsteht so ein wachsender Raum urbaner Reflexion und Produktion.

Leitgedanke

Hydranten sprechen nicht mit Worten aber sie tragen Geschichten, die im künstlerischen Blick hörbar werden.